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Historische Routen: Ausflüge In Die Moderne

Historische Routen: Ausflüge In Die Moderne

Auf Verdis Spuren
Reggio Emilia um die Wende zwischen dem 18. und 19. Jh.
Faenza und die Klassik
Architektur der Zwischenkriegszeit
Route auf Fellinis Spuren

 

Auf Verdis Spuren

Jeder, der nach Parma kommt, kann nicht nach Hause zurückkehren, ohne die Wohnorte von Verdi gesehen zu haben. Der weltberühmte Komponist Giuseppe Verdi (1813- 1901) kam in Busseto (etwa 38 km von Parma entfernt) auf die Welt und blieb seinem Heimatort trotz seines Ruhms und Reichtums stets treu. „Ich werde“, so erklärte er, „immer ein Bauer aus Roncole bleiben“. Genau hier beginnt die Besichtigungstour, in Roncole Verdi, einem Ortsteil von Busseto. Hier wurde Verdi geboren und verbrachte seine Kindheit. Die wenigen Zimmer im zweiten Stock eines bescheidenen Hauses, das ebenfalls als Wirtshaus genutzt wurde, wurden zeitgetreu Teilen nachgebaut. Doch der wichtigste Ort ist selbstverständlich Busseto: hier dreht sich alles rund um den Komponisten, alles trägt seinen Namen: der Platz (mit dem historischen Stadtkern, der Kollegiatskirche Santo Bartolomeo, der Villa Pallavicino), das Denkmal und das kleine, kürzlich renovierte Theater. Im Alter von 10 Jahren zog Verdi nach Busseto, um sein Musikstudium abzuschließen. Er lebte dort im Hause des örtlichen Kaufmanns Antonio Barezzi, dessen Tochter Margherita er später heiratete. Im Haus des Kaufmanns Barezzi in der Altstadt sind zahlreiche Erinnerungsstücke aufbewahrt, ebenso im Palazzo Orlandi, dem damals vornehmsten Palazzo des Städtchens, den Verdi 1845 erwarb. Dort lebte er mit der Sopranistin Giuseppina Streppono zusammen, was damals unheimlich viel Aufsehen erregte. Die Tour endet in Sant’Agata an der durch den Komponisten renovierten Villa Verdi, in welcher der Maesto von 1851 bis zu seinem Tod lebte.

Wo: Roncole Verdi (PR), Busseto (PR), Sant'Agata (PR)

Reggio Emilia um die Wende zwischen dem 18. und 19. Jh.

Die Besichtigung beginnt an der Piazza Prampolini, welche die Aufschrift eines Schlüsselereignisses der italienischen Geschichte trägt: die Geburt des Tricolore – der italienische Nationalfahne. Hier fanden die Aufstände, die zur Gründung der Zispadanischen Republik führten, statt, und hier wurde der Freiheitsbaum aufgestellt. Am 7. Januar 1797 riefen die im Palazzo Comunale versammelten Vertreter der Zispadanischen Republik die Flagge in den drei Farben Grün, Weiß und Rot zur Fahne der Republik aus. Ihre gesamte Geschichte ist im Saal und dem angrenzenden Museum des Tricolore dokumentiert. Die kulturelle Stimmung des 18. Jh.s ist anhand der eindrucksvollen, naturwissenschaftlichen Sammlung des Aufklärers Lazzaro Spallanzani sichtbar, die sich in den Städtischen Museen (Musei Civici) befindet und heute immer noch nach den Kriterien des auslaufenden 18. Jh. gegliedert ist. Das kulturelle Klima des 19. Jh.s kann in der diesem Jahrhundert gewidmeten Abteilung der Fontanesi-Galerie, im imposanten neoklassischen Valli-Theater, dem Herz des städtischen Kulturlebens, und dem Ariosto-Theater nachverfolgt werden. Gleich daneben steht die Parmeggiani-Galerie, die von dem Sammlergeist des auslaufenden 19. Jh.s, mit Originalexponaten und hochqualitativen Nachbildungen zeugt. Von hier aus gelangt man in die alten Gassen um die Synagoge in der Via dell’Aquila, die im 19. Jh. in einem Klima der Freiheit und Gleichheit zusätzlich ausgebaut wurde. Sie wurde kürzlich renoviert. Die Besichtigung endet am Corso Garibaldi mit dem ehemaligen Palazzo Ducale (Herzogspalast), in dem sich heute der Sitz der Provinzverwaltung befindet.

Wo: Reggio Emilia (RE)

Faenza und die Klassik

Diese Route im Zeichen der Klassik wird zu einer greifbaren Lehrstunde über die Kunstgeschichte. Wer sich nicht mit klassischer Architektur auskennt, sollte sich unbedingt sofort Palazzo Milzetti ansehen. Stadtplaner bezeichnen ihn als einen der schönsten Palazzi der gesamten italienischen Klassik. Die strenge Fassade des im Zeitraum zwischen den Jahren 1792 und 1805 erbauten Palazzo (heute Staatseigentum) zeichnet sich durch hervorstehende Ecksteine und das Schein-Bossenwerk aus. Geben Sie sich jedoch damit nicht zufrieden, sich das Gebäude nur von Außen anzusehen. Die Innenräume sind noch weitaus beeindruckender: Säle mit stilistischen Details, reich an Dekorationen und Maldarstellungen mythologischer Szenen und Stuckaturen. Ein weiteres Meisterwerk des Neuklassizismus ist das Masini-Theater. Wie viele Bauwerke dieser Zeitepoche sind die Innenräume Werk des Meisters Felice Giani (1758- 1823). Im Theatersaal liegen in Hufeisenform vier durch Säulen getrennte Zuschauerreihen übereinander. Die oberste Reihe ist mit Statuen der Musen und der Götter des Olymps verziert. Der Geschmack des 18. Jh.s ist an der Gestaltung von Säulen, Stuckaturen und mythologischen Gestalten in den Rathhaussälen und den Patrizierhäusern am Corso Mazzini - Palazzo Gessi, Palazzo Conti, Casa Morri und Casa Pistocchi, Palazzo Zucchini, Casa Bubani – deutlich sichtbar. Im neuklassizistischen Stil ist auch die Kirche San Domenico auf dem gleichnamigen Platz. Weitere sehenswerte Gebäude sind: die Kirchen San Vitale, San Sigismondo und San Gerolamo sowie die Villa Rotonda und Villa delle Sirene.

Wo: Faenza (RA)

Architektur der Zwischenkriegszeit

Bis gestern war die Architektur der Zwischenkriegszeit noch vergessen und verächtet. Heute wird sie wieder entdeckt und ist ganz neu im Kommen. Die Reise durch das 20. Jh. führt entlang breiter und gerader Verkehrsader über imposante Palazzi, Säulengänge und weitläufi ge Plätze nach Forlì. Dieser Rundgang ist bei den Touristen, die in die Stadt von Mussolini kommen, einer der beliebtesten. In Wirklichkeit ist Mussolini jedoch im 10 km entfernt gelegenen Predappio geboren. Die faschistische städtebauliche und architektonische Neugestaltung gehorchte mit Absicht dem Triumph des Monumentalismus. Die umfassendsten und aufwendigsten Baumassnahmen betrafen den Neubahnhof, den Stadteingang und den neuen Stadtwall in Form der Allee Viale delle Libertà, an welcher ansehnliche Bauten im Stil der damaligen Zeit stehen. Zu nennen an dieser Stelle ist stellvertretend der ehemalige Gebäudekomplex G.I.L. (faschistische Jugendorganisation). Am Ende der Allee eröffnet sich der Piazzale della Vittoria, mit dem Denkmal zu Ehren der Gefallenen im ersten Weltkrieg in der Mitte. Das Denkmal wurde von dem römischen Architekten Cesare Bazzani entworfen und beherrscht völlig das Bild dieses Riesenplatzes. Auffallend ist die Höhe der Denkmalssäule, 22 m hoch, an dessen Spitze eine Bronzestatue als Symbol der drei Siege - zu Himmel, zu Erde und zu Wasser – steht. Ein beeindruckendes und bedeutendes Zeugnis des Einfl usses der Vernunft auf die damalige Architektur ist die ehemalige Luftfahrtsanstalt, die sich weitläufi g zwischen dem Viale della Libertà und dem Platz erstreckt. Ein weiterer einschneidender Eingriff erfolgte bei der Schaffung von Piazza Saffi und Piazza XX Settembre. Zum Bau des Justizpalastes an zuletzt genanntem Platz wurde ein kompletter Häuserblock abgerissen.

Wo: Forlì (FC)

Route auf Fellinis Spuren

Das „Grand Hotel“, das Kino „Fulgor“, La Gradisca, Il Pataca, der Hauptplatz, das Meer (und der herrliche Überseedampfer „Rex“)... Ganz Rimini ist in den Filmen Fellinis verewigt. Der Regisseur hatte stets eine enge Verbindung zu Rimini und so hat er sich auch gewünscht, dort ewige Ruhe zu fi nden. Heute befi ndet sich direkt am Eingang des Friedhofs von Rimini ein ihm und Giuletta Masina zu Ehren durch Arnaldo Pomodoro erschaffenes Denkmal: ein gen Himmel gerichteter Bug, der die Erinnerungen an den legendären Überseedampfer „Rex“ aus dem Film „Amarcord“ wachruft. Dem Regisseur zu Ehren wurde in seinem ehemaligen Wohnhaus in der Via Oberdan 1, das eine Bibliothek und Zeichnungen des Regisseurs enthält, eine Studienstiftung eingerichtet. Sehenswert ist auch ein nach ihm benanntes Museum, in dem man zwischen Szenenunterlagen, Entwürfen und in Ausstellungen stöbern kann. In der Via Gambalunga 27 befi ndet sich die Gemeindekinemathek mit einer umfassenden Sammlung an Filmen, Videos und Filmplakaten. Von hier aus gelangen Sie dann auf die Piazza Cavour, die Fellini gemeinsam mit der Piazza Tre Martiri als Modell für den Platz in „Amacord“ Pate gestanden hat. Fellini hat „sein Rimini“ bekannter Weise immer an anderen Orten nachkonstruiert. Das Kino „Fulgor“ am Corso d’Augusto wurde beispielsweise zuerst im Film „Roma“ und später in „Amarcord“ in Szene gesetzt. Weiter in Richtung Meer, genauer gesagt in Marina Centro, befi ndet sich eine ihm gewidmete, groß angelegte Grünanlage. Hier erhebt sich auch das märchenhafte „Grand Hotel“ (mit der Fellini- Suite): ein Ort des Phantasiereichs dieses Regisseurgenies. „Das Grand Hotel“ – so erzählte er – „verkörperte den Traum von Reichtum, Luxus und orientalem Prunk... Abends verwandelt es sich in Städte wie Istanbul, Bagdad, Hollywood...”

Wo: Rimini (RN)

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