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Historische Strassen

Historische Strassen

Entlang der Via Francigena
Via Francigena
Pilgerung zum Wallfahrtsort Beata Vergine della Ghiara
Antike Siedlungen entlang der Via Cassìola
Pilgern entlang 5 Glaubenswege

Entlang der Via Francigena

Tausende Pilger aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen und Kulturen sowie verschiedener bürgerlicher Herkunft zogen im Mittelalter zu Fuß nach Rom oder ins Heilige Land. Einige taten es, um ein Eid zu erfüllen, andere, um die Schuldenvergebung zu erlangen, für andere handelte es sich bloß um eine Selbstherausforderung. Alle folgten der Via Francigena (auch Via Francesca oder Via Romea genannt). Es handelt sich um eine Pilgerroute von Frankreich nach Rom und den wichtigsten Pilgerweg im mittelalterlichen Italien. In Piacenza lag der erste Halt zur Erholung von der anstrengenden Reise. Damals war die Stadt voller Hospitale, Orte, an welchen die Pilger mit medizinischer Hilfe versorgt wurden und Unterkunft fanden. Ihre Anzahl betrug damals mindestens dreißig. Heute können wir uns nur an ihre Namen erinnern: Sant’Antonio a Trebbia, San Cristoforo (in der Nähe des Piazzale Medaglie d’Oro), das Krankenhaus Ospedale della Misericordia (wo heute die Kirche San Giuseppe in der Via Campagna steht). Da gab es noch das Hospital San Sepolcro beim Benediktinerkloster, während das Hospital Santa Brigita nur für irische Pilger bestimmt war. In Piacenza führte die Via Francigena entlang der heutigen Via Taverna, Via Garibaldi, San Antonino und Scalabrini. In dieser Stadtgegend konzentrierten sich die meisten Pilgerhospitale: Santa Vittoria bei der Wallfahrtskirche Santa Maria di Campagna, Santa Brigida, Sant’Ilario, Santa Maria Maddalena bei der Kirche San Donnino und Sant’Antonino, die sich auf der Stelle des heutigen Palazzo Giacometti befanden.

Wo: Piacenza (PC)

Via Francigena

Möchten Sie einen Tag lang die Geschicke eines mittelalterlichen Pilgers erleben? Dies ist möglich, wenn Sie die antike Via Francigena durchlaufen, die von Nordeuropa bis nach Rom halb Italien durchquerte. Der meist genutzte Pilgerweg wurde in einem kleinen und wertvollen Reiseheft von Seigerico, dem Erzbischof von Canterbury, der um das Jahr Eintausend lebte, festgehalten. Man kann die Wanderung an zwei verschiedenen Ausgangspunkten starten: in Fidenza, einer mystischen mittelalterlichen Stadt mit einem mächtigen Dom oder in San Pancrazio, wo eine alte Hospital-Kirche, in der die Pilger Unterkunft fanden, steht. Die beiden Abschnitte der Via Francigena fließen dann am Städtchen Fornovo di Taro an den ersten Apenninausläufern, einem Knotenpunkt zwischen der Emilia, Ligurien und der Toskana, zusammen. In Fornonovo steht eine schöne romanische Kirche aus dem 11. Jh., von der viele Wege für Naturwanderungen oder gastronomische Touren abgehen. Entlang der Via Francigena stieg man dann über den Apenninpass Cisa auf die andere Apenninseite in Richtung thyrenischer Küste herab. Den alten Pilgerspuren nachzulaufen heißt es heute die Emotionen von damals noch mal zu erleben und gleichzeitig Kunstwerke, Geschichtsdenkmäler und Orte kennen zu lernen, die jenseits touristisch erschlossener Besichtigungsrouten liegen und vielleicht deshalb um so faszinierender sind.

Wo: Fidenza (PR), San Pancrazio (PR), Fornovo di Taro (PR)

Pilgerung zum Wallfahrtsort Beata Vergine della Ghiara

Diese 1597 errichtete Basilika, die mit Ornamenten und Fresken aus der ersten Hälfte des Siebzehnten Jahrhunderts geschmückt ist, stellt ein herrliches und einheitliches Beispiel der emilianischen Barockarchitektur dar. Das Wunder des Marchino, eines taubstummen Jungen, der durch eine Wunderheilung während seines Gebets vor einem Marienbildnis im April 1596 die Sprache wieder erlangte, zieht Pilgermassen in die Stadt. Der Kult der Madonna von Reggio verbreitete sich weit über die Provinzgrenzen hinaus. Im Innern der Basilika in Form des griechischen Kreuzes hat sich ein außerordentlicher Freskezyklus erhalten, in dem die Tugenden der Gottesmutter in wertvollen Altarbildern, die von den besten emilianischen Künstlern des 17. Jh.s angefertigt wurden, lobpreist werden. Auf die gleiche Epoche geht die Gründung des traditionalen Handwerkermarkts „la Giareda“, der heute, genauso wie damals, in der ersten Septemberwoche entlang der Allee, an der die Basilika steht, abgehalten wird.

Wo: Reggio Emilia (RE)

Antike Siedlungen entlang der Via Cassìola

Die antike Via Cassìola – der Name ist eine Abkürzung der lateinischen Via Cassia - war ein Leitweg zwischen Modena und Pistoia über den Apenninkamm. Entlang dieser alten Route pilgerten die Gläubigen nach Lucca oder nach Rom. Der interessanteste Haltepunkt entlang der Via Cassìola in Bolognas Umgebung liegt vor allem in Bazzano, an der Grenze zwischen der Provinz Modena und Bologna. Die kleine Ortschaft ist auf einer Siedlung, die bereits im Eisenzeitalter bewohnt war, errichtet. Es befi nden sich dort ein Schloss und eine hübsche Altstadt mit sehr romantischer Atmosphäre. Eine weitere befestigte Siedlung liegt in Monteveglio. Sein schöner Kloster, ehemalige Liegenschaft der Mathilde von Canossa, wurde wegen seines siegreichen Widerstands gegen die Belagerung des Königs Heinrich IV im Winter des Jahres 1092 bekannt. In dieser Landschaft voller Hügel und steiler Hänge fehlt es nicht an befestigten Schlössern. So begegnet man das Schloss in Serravalle, die kleine Kirche und das Schloss in Samoggia (das im 7. Jh. als eines der byzantischen Schlösser erwähnt wurde, die gegen den Vormarsch des longobardischen Heeres Widerstand geleistet hatten) sowie die Ortschaft Savignano, in deren altem Schloss ein Pilger-Hospital untergebracht war. In Santa Lucia di Roffeno steht eine alte Dorfkirche mit einem suggestiven Hof, während Castel d’Aiano wegen zwei ehemaligen Pilgerherbergen (13. Jh.) bekannt ist. Von hier gelangt man in Gaggio Montano und erreicht die Festung Corneta, die von den Bergen della Corneta über dem Dardagna-Tal, eines der ältesten Apenninpässe, thront.

Wo: Bazzano (BO), Monteveglio (BO), Savigno (BO), Gaggio Montano (BO)

Pilgern entlang 5 Glaubenswege

Die 5 Tourvorschläge, die im Gebiet von Ravenna durch tausendjährige Landkirchen und antike Wege des Christentums führen, stehen ganz unter dem Zeichen der Spiritualität. Die erste Route verläuft an der Adria und beginnt an der antiken Via Romea, die über Venedig und Ravenna nach Rom führte. Die wichtigsten Glaubensorte dieser Route sind: Ravenna (Dom und die wichtigsten byzantinischen Kirchen), Classe und Cervia (Kirche Madonna del Pino). Interessant sind auch die Routen Agro Decimano und die Via Ravegnana von Classe nach Cesena (Kirchen San Pietro in Cristino und Santa Maria di Ronta). Unterwegs kann man an folgenden Orten Halt machen: San Zaccaria (Kirche San Bartolomeo) und Pisignano (Kirche Santo Stefano mit einem Straßenkreuz, der die Pilger „segnete“ und ihnen die Wegrichtung angab), Campiano (San Cassiano in Decimo) und die Landkirchen in San Pietro in Vincoli und San Pietro in Trento. Weiters ist die Via Faentina zu erwähnen, die von Ravenna über die Krichen in Russi, Godo, San Pancrazio, Faenza nach Brisighella führt. Eine Hügeltour kann man dagegen im Senio-Tal unternehmen: von Castel Bolognese nach Casola Valsenio entlang der Landstraße SS. Casolana Riolese, die über den Apenninpass bis in die Toskana führt. Zuletzt sind die mittelalterlichen Pilgerwege nördlich von Ravenna zu erwähnen. Sie schlängeln sich durch Bagnacavallo (San Pietro in Sylvis), Lugo, Argenta, Bagnara, Solarolo, Piangipane, Cotignola, Barbiano, Fabriago bis nach Fusignano.

Wo: Provincia di Ravenna (RA)

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