Meisterschaft und Eigenart Alter Berufe
Handwerk und Gastronomie: zwischen Handwerksläden und Werkstätten
Appetitliches Bologna
Mosaiken der Gegenwart
Forlì und das Romagnolische Völkerkundemuseum „Benedetto Pergoli“
Von traditionellen Piadinaformen zu bedruckten Stoffen
Handwerk und Gastronomie: zwischen Handwerksläden und Werkstätten
Neben dem Herzogspalast und einer Renaissance-Galerie, dem mittelalterlichen Dom und einer charakteristischen Piazza fi ndet man in der Altstadt von Modena eine Vielzahl von historischen Handwerksläden. Man kann kleine Werkstätten entdecken, die sich der Restaurierung und dem traditionellen Kunstgewerbe widmen. Außerdem stehen zur Verfügung: Lederhandlungen, Buchbinder, Möbel-Dekorateure, Bilderrahmenbauer, Stühlepolsterer und Möbelbezieher. In diesem Zusammenhang sei auf die Dauerausstellung des Kunstgewerbes in Modena (Mostra permanente dell’Artigianato Artistico Modenese) mit der folgenden Internetadresse www.artigianatoartisticomodenese.it hingewiesen. Da wir uns in einer wichtigen italienischen Gourmetstadt befi nden, ist eine kurze Exkursion in das Reich der Genüsse fast eine Pfl icht. Die Gastronomiewerkstätten in der Altstadt sind für den Verkauf offen und bieten den Kunden handgemachte Eiernudeln sowie Gebäck und Konditoreiwaren an. In den Altstadt-Metzgereien kann man typische Erzeugnisse der lokalen Schweineschlachtereien erwerben: Schinken aus Modena g.U., Schweinsfuss aus Modena g.g.A. und Schwartewurst aus Modena g.g.A. Natürlich darf ein Schaufensterbummel durch die Delikatessenläden nicht fehlen. Dabei kann man leicht entscheiden, welche Flasche Traditionellen Balsamessigs oder Nocino, eines Nusslikörs nach dem traditionellen Rezept aus Modena, uns am.
Wo: Modena (MO)
Appetitliches Bologna
In der Gegend, in der die Esskultur großgeschrieben wird, laden die Märkte, Osterien und alte Handwerksläden zum Besuch ein. Die Erkundungsroute beginnt an dem mittelalterlichen Markt hinter der Piazza Maggiore, in dem suggestiven Gassennetz zwischen der Via delle Drapperie, Via degli Orefi ci und Via Clavature. Lassen Sie sich für den Bummel zwischen den Handwerksläden und den Verkaufsständen ruhig Zeit. Eine bezaubernde Atmosphäre herrscht in der Via delle Pescherie Vecchie. In den zahlreichen Gemüseläden werden dort immer frische Pfi rsiche zum Verkauf angeboten. Im Vicolo Ranocchi, zu Deutsch „Froschgasse“, wurden in der Vergangenheit Frösche verkauft, die aufgrund ihres Überfl usses in den stillstehenden Talgewässern früher als Spezialität der Bologneser Küche galten. Bologna ist auch eine Stadt der Osterien (typische Wirtshäuser). Die eigenartigste von allen ist die historische „Osteria del Sole“, in der man nur Getränke bestellen und ein Mortadellabrot von draußen mitbringen kann. In der Via Caprarie steht seit 1903 das Back- und Teigwarengeschäft von Paolo Atti mit den Tortellini und der „Luxuspasta“. Zu den Stammkunden gehörten einst der Nationaldichter Carducci und der Maler Giorgio Morandi. Ein wenig weiter fi ndet man das Wurstwarengeschäft „Salsamenteria Tamburini“, in dem seit 1896 italienische Salamiwürste hergestellt und verkauft werden. Zu den anderen gastronomischen Kultorten gehört das „Caffè Canarini“ an der Ecke zur Via Farini, die Konditorei „Majani“, die wegen seiner Fiat-Pralinen weltberühmt wurde, die originelle „Scorza“ sowie die Via del Pratello, eine Straße mit den charakteristischsten Osterien Bolognas. Empfehelnswer sind außerdem die Straßen Via Mascarella, Via delle Belle Arti, Via Mentana.
Wo: Bologna (BO)
Mosaiken der Gegenwart
Was ist von der legendären Mosaikkunst in Ravenna übrig geblieben? Überraschend lässt es sich feststellen: sehr viel. In Ravenna ist das Mosaiklegen heute die Kunst schlechthin, die verschiedene Formen der abstrakten, informalen und darstellenden Kunst annehmen kann. Man braucht nur die wunderbaren Werke im Städtischen Kunstmuseum (Museo d’Arte)– die bedeutendste Sammlung der zeitgenössischen Mosaikkunst in Europa - zu sehen. Achten Sie auf die ausgestellten Mosaikzeichnungen, die von den Künstlern wie Renato Guttuso, Afro, Renato Birolli und Antonio Porpora stammen. Haben Sie jemals futuristische Wandmosaiken gesehen? Sie sollen auf jeden Fall den Mosaikensaal im Palazzo Mutilato besichtigen, dessen Werke die Unterschrift der bekanntesten Meister des 20. Jh.s, von Renato Signorini bis Antonio Rocchi, tragen. Äußerst einmalig ist auch der ganz mit Mosaik verkleidete Turm, den die Gemeinde Ravenna erbauen ließ. Er lehnt sich an die Türme des „Himmlischen Jerusalems“ an, das in den byzantinischen Mosaiken der Basiliken San Vitale und Sant’Apollinare in Classe dargestellt ist. In der Piazza della Resistenza steht ein Brunnen mit einer besonderen Bedeutung: die Fontana Ardea Purpurea des Künstlers Marco Bravuira ist ein Symbol einer idealen Brüderschaftsbrücke. 1999 wurde ein gleicher Brunnen in Beirut aufgestellt.
Wo: Ravenna (RA)
Forlì und das Romagnolische Völkerkundemuseum „Benedetto Pergoli“
Es gibt viele Völkerkundemuseen in Italien, doch schwerlich findet man eines wie das eindrucksvolle Museum „Benedetto Pergoli“ in Forlì. Schon beim Betreten seines Eingangs am Corso della Repubblica 72 wird der Besucher tief gerührt. Er findet nämlich in den Ausstellungssälen die Hauseinrichtung und Handwerkerläden mit rigoros „authentischen“ Exponaten. Die Besichtigung startet in einem „Wirtshaus“ mit der Einschenktheke, zwei großen Gästetischen und langen Bänken aus Massivholz. Neben der „Osteria“ liegt der Keller mit Fässern, Bottichen und runden Weinflaschen. Weiter führt die Besichtigung durch zwei Vorzimmer und zwei Schlafzimmer (einen Ehe- und einen Einzelzimmer) in die Küche, in der die Feuerstelle und eine große Kredenz aus dem 17. Jh. vorherrschen. Auf das Ende des 19. Jh.s gehen dagegen der Tisch, die Stühle und der Backtrog, während die Haushalstgegenstände aus den ersten Jahren des 20. Jh.s stammen. Die Küche bildete das Herz des Hauses: von hier aus haben die romagnolischen Hausfrauen, im hiesigen Dialekt „Azdor” (Haus- und Familienherrin), dirigiert und verschiedene landwirtschaftliche Tätigkeiten verwaltet. Sehr charakteristisch sind auch Handwerkstätten. Nachgebildet wurden die Werkstätte des Schuhmachers, der Hutmachers, des Schneiders, des Rostdruckers, des Töpfers, des Geigenbauers, des Schmieds und des Goldschmieds. Das Museum wurde 1922 in Folge der Initiative eines Intellektuellenkreises, der sich um den Dichter Aldo Spallacci gebildet hatte, gegründet. Mit ihrer Idee haben die Intellektuellen Recht gehabt, denn das Museum zieht heute immer noch zahlreiche Besucher und Neugierige an.
Wo: Forlì (FC)
Von traditionellen Piadinaformen zu bedruckten Stoffen
Die Piadina ist immer sehr lecker, doch wenn sie auf dem traditionellen Testo (Piadinaform) gebacken wird, schmeckt sie gleich ganz anders. Die besten Piadinaformen werden seit Jahrhunderten in Montetiffi , einer kleinen Ortschaft über Sogliano sul Rubicone, erzeugt. Dort befi ndet sich immer noch eine Handwerkstatt, in der Piadinaformen nach einer Jahrhundert langen Tradition erzeugt werden. Dafür wird der rote und der schwarze Ton unter Beimischung eines besonderen Gesteins miteinander vermengt. Die daraus entstandenen Formen werden dann in einem langwierigen Verfahren getrocknet. Darin besteht auch das Geheimnis der Piadinaformen: die gut vermengte Masse wird auf einen Drehteller gelegt; anschließend werden daraus Scheiben mit 35-40 cm Durchmesser geformt. Dann geht man zur Trocknung über, die je nach Wetterumständen von zwei bis sieben Wochen dauert. Zuletzt werden die Formen gebrannt. Das kann sowohl im Freien als auch in einem Ofen geschehen und dauert im Durchschnitt von acht bis zwölf Stunden. Nach der Abkühlung wird die Qualität des Testo durch Fingerschläge geprüft. Ebenfalls faszinierend ist die Bedruckung von Stoffen. Wenn man in die Handwerksläden in Gambettola, Cesenatico, Forlì und Santa Sofi a eintritt, verspürt man sofort den Geruch des Essigs, der bei der Vorbereitung von Farben eingesetzt wird. Die traditionelle Farbe ist das Rostbraun (das von der Grundfarbe des oxidierten Eisens gewonnen wird), doch in der letzten Zeit gehört auch das Blau und Grün zu den Klassikern, mit denen auf Stoffen und Baumwolltüchern Blätter- und Blumendekore sowie Bilder aus dem Bauernleben aufgedruckt werden.
Wo: Montetiffi (RN)










