Reiserouten zu Historischen Herrenhäusern:Glanz Vergangener
Von Palazzo zu Palazzo
Piazza Camillo Prampolini und ihre Palazzi
Die Palazzi des Herzogtums der Este
Musik für Bögen und Paläste
„Delizie“ – Städtische Lustschlösser
Lustschlösser der Este
Ravenna und seine „Domus“
Forlì und der beeindruckende Palazzo del Comune
Von Palazzo zu Palazzo
Kaum eine andere Stadt befi ndet sich in einer derart strategischen Lage: Piacenza liegt am rechten Ufer des Pos, am Zufl uss der Trebbia in den Po und gleichzeitig am Schnittpunkt aller Straßen der Poebene. Dies erklärt auch seine umfassende und lebendige Geschichte. Zeugnis davon geben die herrlichen (und zahlreichen) Patrizierhäuser. Das bedeutendste von ihnen ist der vollständig aus rosafarbenem Marmor und Tonfl iesen im Jahre 1281 durch den Konsul erbaute Palazzo Comunale, der so genannte Gotico, an der Piazza Cavalli. Am Hauptplatz liegen außerdem der 1676 durch die Händlerzunft errichtete Palazzo dei Mercanti (neben dem Gotico), heute Sitz der Gemeinde, und ihm gegenüber der Palazzo del Governatore (1787). In der Via Verdi erhebt sich der Palazzo Malvicini Fontana da Nibbiano, im Mittelater im Besitz einer Adelsfamilie aus Piacenza.
In der Via Giordano steht der Palazzo Anguissola Rocca (18. Jh.) und in der Via Siro der Palazzo Scotti da Sarmato mitsamt seinem gewaltigen Gittertor, dem Säulengang, einer Marmortreppe sowie der reich dekorierten Säle: hier kehrten unter anderem Napoleon und Papst Pius VI. ein. In der gleichen Straße sind weiters der Palazzo Arcelli und Palazzo Radini-Tedeschi mit der prunkvollsten Freitreppe der Stadt zu erwähnen. In der Parallelstraße Via Scalabrini steht gleich eine ganze Schar von Palazzi (etwa zehn) aus dem 17./18. Jahrhundert, von den Palazzi Rossi Trevani, Appiani d’Aragona Borromeo bis hin zum Bischöfl ichen Priesterseminar.
Wo: Piacenza (PC)
Piazza Camillo Prampolini und ihre Palazzi
Es ist immer wieder aufregend, die Geschichte einer Stadt anhand seiner Herrscherpaläste abzulesen. In Reggio Emilio sind die meisten Palazzi an der zentralen Piazza Prampolini zu bewundern. An der Südseite befi ndet sich der Palazzo del Comune (Rathaus). Bevor er seine jetzige Fassade im 18. Jh. erhielt wurde er mehrmals umgebaut. Heute beherbergt er u.a. den Saal des Tricolore, in dem am 7. Januar 1797 die heutige italienische Nationalfahne zum Symbol der Zispadanischen Republik gewählt wurde. An einer Seite des Platzes prunkt die Statue des Crostolo, die aus der herzoglichen Villa in Rivalta stammt. An der Ostseite steht die geschichtsträchtige Kathedrale, die zuerst dem romanischen und dann dem Renaissancestil angeglichen wurde. An den Palazzo Vescovile (Bischofpalast) mit der im 16. Jh. erbauten Fassade wurde ein romanisches Baptisterium und der Palazzo dei Canonici eingegliedert. Gegenüber steht der Palazzo delle Notarie, in dem bis Mitte des 15. Jh.s Sitz des Kollegiums der Notare, die mit ihren Ständen im Laubengang vertreten waren, untergebracht war. Die Nordseite des Platzes ist durch die Hauptfassade des Palazzo del Monte di Pietà, des ehemaligen Gemeindesitzes mit einem hohen mittelalterlichen Uhrenturm, geschmückt. An der Piazza Cesare Battisti im Herzen der Stadt liegen zahlreich bedeutende Palazzi, so u.a. der Palazzo del Capitano del Popolo (aus dem Jahr 1280) und das benachbarte Hotel „Albergo Posta“, das nach dem gleichnamigen Gasthaus benannt ist. Dort hatte im Jahre 1913 das Hospiz „Cappello Rosso“ (16. Jh.) seinen Sitz. Zuletzt ist der Palazzo Bussetti (1657), Sitz des Jesuitenkollegs und der Università Reggiana, dessen Entwurf Bernini nachgesagt wird, zu erwähnen.
Wo: Reggio Emilia (RE)
Die Palazzi des Herzogtums der Este
Möchten Sie wissen, wie die Hauptstadt des Herzogtums der Este aussah? Dann verweilen Sie einfach in der Altstadt von Modena zwischen den antiken Gassen, Barockkirchen und Patrizierhäusern, und insbesondere in der Gegend um die Via dei Servi, Rua Muro und den Corso Canalchiaro. Der prunkvolle und fürstliche Palazzo Ducale (Herzogspalast) mit dicht beieinander liegenden Türmen und Statuen von mythologischen Göttergestalten ist eines der schönsten Barockbauten Italiens und zählt zu den Meisterwerken der Architektur des 17. Jh.s. Ebenso eindrucksvoll ist der Ehrenhof mit doppeltem Laubengang des Architekten Bartolomeo Avanzini. Noch beeindruckender sind die Innenräumen des Prinzen-Appartements, der Thronsaal, der Goldenen Saal (es wird angenommen, dass Francesco IV. hier das Todesurteil von Ciro Menotti unterzeichnet hat) und der Ehrensaal. Seit 1862 ist der Herzogspalast Sitz der Militärakademie (mit entsprechendem historischen Museum) und bereitet junge Offi ziere auf die Karriere im italienischen Heer vor. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn Ihnen Soldaten in straffer Uniform entgegen kommen. Die schönsten Kirchen Modenas sind ebenfalls aus dem 18. Jh.; unter ihnen sind die Kirche Sant’Agostino, San Bartolomeo und San Domenico zu erwähnen. Ihre Außenfassade ist nüchtern, doch innen sind sie mit Stuckdekorationen in Form von Statuen, Basreliefs und Büsten der Este ausgeschmückt.
Wo: Modena (MO)
Musik für Bögen und Paläste
Bologna ist in punkto Musik eine der wichtigsten Städte Italiens. Dort wurde 2004 im Palazzo Aldini Sanguinetti in der Strada Maggiore 34 das prachtvolle Musikmuseum mit Wanddekoren im Stil des Trompe-l’oeil eröffnet. Warum ist dieser Ort so sehenswert? Er bietet die Gelegenheit, die letzten 500 Jahre der Musikgeschichte anhand von Bildern, Bu?chern (es erwartet Sie eine der ersten Musikbibliotheken der Welt mit 110.000 Bändern), Werkstätten zur Herstellung von Saiteninstrumenten, Konzerten, Partituren und Szenenmaterial zu durchlaufen. Fu?r den Fall, dass Sie eine richtige Stadtbesichtigung vorhaben, befinden sich alle Hauptsehenswu?rdigkeiten im Zentrum:
die Basilika San Petronio mit der ältesten, noch eingesetzten Orgel und dem herausragenden Musikchor, der Arengo-Turm des Palazzo Comunale mit der größten Glocke Bolognas, die 47 Doppelzentner wiegt. An der Piazza Rossini steht das Konservatorium Giovanni Battista Martini (1804), das auch der junge Gioacchino Rossini besuchte. In der Via Zamboni 15 stoßen Sie hingegen auf das Oratorium Santa Cecilia.
Lyrik pur ist, wie man es sich denken kann, im Stadttheater in der Via Zamboni 30 zu genießen. In diesem Theater trat schon Giuseppe Verdi auf. In der Via Guerrazzi 13 findet man die im Jahre 1666 gegru?ndete Philharmonische Akademie. Ihre Aufgabe war es, Auszeichnung fu?r exzellente Leistungen zu erlassen. Selbst Mozart kam im Alter von 14 Jahren nach Bologna, um sich dieser Pru?fung zu unterziehen. Zu den weiteren musikalischen Besonderheiten Bolognas gehört das Haus von Donizetti in der Via Pepoli 1 und das Haus von Farinelli, der beru?hmtesten weißen Stimme der Geschichte, in der Via S. Margherita 6.
Wo: Bologna (BO)
„Delizie“ – Städtische Lustschlösser
In einem so gut erhaltenen Stadtkern wie dem von Ferrara wimmelt es nur so von historischen Herrenhäusern. Wenn Sie auf der Suche nach etwas Besonderem sind, biegen Sie ganz einfach in das Gässchen links neben dem Dom ein und folgen Sie der Via Adelardi. Abends ist dieses Viertel aufgrund der vielen Nachtlokale und Cafés äußerst belebt. Halten Sie nach der Hausnummer 11 Ausschau: hier befindet sich die älteste Gastwirtschaft der Welt, die in das Guinnes Buch der Rekorde eingetragen wurde. 1435 nannte es sich noch „Hostaria del Chiucchiolino“. Hier kehrten berühmte Persönlichkeiten wie Ludovico Ariosto, Benvenuto Cellini, Tiziano Vecellio, Torquato Tasso, Nikolaus Kopernikus ein. Weitere Schmuckstücke erwarten Sie in der Via Voltapaletto und Via Savonarola, beziehungsweise der ehemaligen Via di San Francesco. Im Abstand von wenigen Metern liegen die Kirche San Francesco und unter der Hausnummer 10. das Haus der Rompilger mit seinem prächtigen Innenhof sowie der Palazzo Pareschi. Wer ist denn von Lucrezia Borgia noch nie begeistert gewesen: war sie eine Heilige oder eine Mörderin, die ihre Ehemänner vergiftete? Ihr schlichtes Grabmal kann im wunderschönen Kloster Monastero delle Clarisse del Corpus Domini (Via del Pergolato) besichtigt werden. Hier waltet eine geheimnisvolle Atmosphäre: nur unweit entfernt liegen das Oratorio dell’Annunziata und die Kirche Santa Maria del Vado. Ein Stück weiter erhebt sich der Palazzo Schifanoia mit dem von Künstlern aus Ferrara geschaffenen einmaligen „Himmel“. Danach folgen der Palazzo Bonacossi, heute Sitz der Museen für Antike Kunst und das Marfisa-Schloss, die einst durch Laubengänge und Gärten miteinander verbunden waren. .
Wo: Ferrara (FE)
Lustschlösser der Este
Stellen Sie sich den Prunk eines großen europäischen Renaissancehofes vor. Denken Sie dabei an Feste, Bälle und Vergnügungen in prächtigen Palästen, an Gärten, die als wahre Kunstwerke aufgefasst wurden, an Fresken namhafter Künstlergrößen, an seltene und exotische Tiere. Genau so ging das Leben in den so genannten Delizie Estensi, den in und um Ferrara von den Herzögen Este gebauten Lustschlössern, zu. Der bedeutendste unter ihnen ist möglicherweise der Schifanoia-Palast, der im Jahre 1385 im Stadtinneren erbaut wurde. Damals lag er jedoch etwas abgelegen mitten im Grünen.
Der erste wirkliche „Landsitz“, oder besser gesagt, der erste Palast, der außerhalb der Stadt gebaut wurde, war das Lustschloss Belriguardo (Delizia del Belriguardo) aus dem Jahr 435. Ganz Europa erblasste angesichts seiner Erhabenheit vor Neid. Herzog Borso wollte darin so viele Zimmer einrichten, wie viele Tage ein Jahr zählt. Nur unweit entfernt, in der Nähe von Gambulaga, deuten vier kleine Türme auf das Lustschloss Verginese (Delizia del Verginese) hin. Die am Po gelegene Delizia di Fossadalbero war Schauplatz der unglücklichen Liebe zwischen Ugo und Parisina: er war Sohn und sie die zweite Frau des Marktgrafen Nicolò III. Um einige Lustschlösser herum entstanden sogar ganze Ortschaften. So ist das Este-Schloss in Mesola (1500) heute immern noch von einem alten Dorf mit kleinen Häusern und Laubengängen umgeben.
Wo: Voghiera (FE), Portomaggiore (FE), Fossadalbero (FE), Mesola (FE)
Ravenna und seine „Domus“
Wenn man von Ravenna spricht denkt man automatisch an das Weströmische Reich. Doch die Ursprünge der Stadt liegen viel weiter zurück. Hier haben Sie die Gelegenheit die Lebensweise im Römischen Ravenna in einer Zeitlupe zu sehen. In der Kirche San Nicolò wurde ein römischer Speisesaal mit ursprünglichen Hausgegenständen eingerichtet. Sein Name ist Domus del Triclinio. Die Originaleinrichtung konzentriert sich um den Domus, ein Haus aus dem 3-2. Jh. v. Chr., das vor mehr als 20 Jahren im Herzen der Stadt aufgefunden wurde und bis zu diesem Zeitpunkt gänzlich unbekannt war. Die Besucher haben nun die einmalige Möglichkeit zu sehen, wie die damalige Aristokratie zu Tische saß. Wer weiß, wer die geheimnisvollen Bewohner des zweiten Domus von Ravenna waren? Es handelt sich um ein Bauwerk der Spätromanik, das 1993 während Ausgrabungen im Stadtzentrum entdeckt wurde. Wir wissen weiter nichts über sie, mit Ausnahme der Tatsache, dass sie wohlhabend oder, besser gesagt, furchtbar reich gewesen sein mussten: der Domus umfasst 14 Räume (vielleicht waren es sogar mehr) und drei Höfe mit Marmorböden und bunten Mosaiken. Mit anderen Worten waren sie mit höchstem Luxus und Prunk ausgestattet. Heute ist diese Pracht des „Hauses der Steinteppiche“ (Domus dei Tappeti di Pietra) zur Besichtigung freigegeben. Zum unterirdischen Originalort des Domus gelangt man über die Kirche Sant’Eufemia.
Wo: Ravenna (RA)
Forlì und der beeindruckende Palazzo del Comune
Es überkommt einen ein leichter Schauder, wenn man sich vom Fenster (dem dritten von links) des malerischen Nymphensaals im Palazzo Comunale an der Piazza Saffi hinauslehnt. Von hier wurde am 14. April 1488 in einer dramatischen Nacht Girolamo Riario, Ehemann von Caterina Sforza und Neffe des Papstes Sisto IV, vom Fenster gestoßen und ermordet. Am selben Fenster ließ Caterina Sforza später die Mörder ihres Mannes aufhängen. Dieser Aspekt soll aber nicht der einzig interessante Grund für die Besichtigung des Warnzeichens von Forlì – des Palazzo Comunale – sein. Das Gebäude mit einem großen Turm erstreckt sich auf der gesamten Seite des Hautplatzes Piazza Saffi. Der ursprüngliche Gebäudekern geht auf das Jahr 1300 zurück. Seitdem wurde der Palazzo mehrmals „Schönheitseingriffen“ unterzogen. Die Umbauarbeiten wurden dabei nach dem Geschmack der jeweiligen Stadtherren durchgeführt. Heute steht im Gemeindeeingang eine Tafel, auf der die Geschichte des Palazzo geschildert ist. Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten gehört eine Freitreppe, von der man über einen engen Durchgang zur Sala dei Donzelli, auch Sala degli Angeli genannt, gelangt; dort sind zwei neoklassizistische Gemälde zu bewundern: rechts „le Supplici Argive“ und links „Leena che si morde la lingua“ (Leena, die sich in die Zunge beißt). Interessant ist auch der Bürgermeistersaal aus der napoleonischen Epoche sowie der Saal des Gemeinderats (auch Sala Fasti genannt), der von Bibbiena entworfen und mit Fresken versehen wurde. In allen Räumen sind auf den Wänden im Stil des Trompel’Oeil Säulen, Balkone und Balustraden sichtbar. Draußen eignet sich die malerische Piazetta della Misura mit einer kleinen Arkadenhalle aus dem 15. Jh., die erst 1929 entdeckt wurde, als hübsche Kulisse für ein Erinnerungsfoto.
Wo: Forlì (FC)










